Der Berliner Schlossplatz
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"Schlossfreiheit" (2)

Nach und nach reichten die Häuser direkt bis an das Spreeufer. Im ganzen bestand die Straße aus 13 Häusern, von denen drei schon 1736 unter Friedrich Wilhelm I. wieder abgerissen wurden, um mehr Platz um das Schloss herum zu erhalten und die Aussicht Richtung Dorotheenstadt zu erweitern. Abgesehen von einigen Umbauten veränderte sich die "Schlossfreiheit" bis zu ihrem Abbruch 1892 nicht mehr.

Schlossfreiheit
Die Schlossfreiheit, vom Schlossplatz aus, um 1890;
links im Vordergrund das bekannte Café Helms,
1882/83 erbaut und 1893 abgebrochen
Historische Postkarte (Zentrum für Berlin-Studien)

Die in der "Schlossfreiheit" angesiedelten Familien waren zumeist Hugenotten; zu ihnen gehörten u.a. die Juwelier- und Goldschmiedefamilien Charles Humbert (1787 bis 1889 dort ansässig), und Jean Godet und die Buchhandlung Haude & Spener (von 1731 - 1803 in der "Schlossfreiheit"). 1865 zog die Konditorei Josty von der "Stechbahn" in die "Schlossfreiheit".
Wie Arnold/Arnold feststellen, waren 1859 44 Mietparteien in der "Schlossfreiheit" verzeichnet, wobei das "Grundstück Nr.10 direkt an den Werderschen Mühlen gelegen den königlichen Mühlenmeistern und ihren Mitarbeitern vorbehalten war." (Arnold/Arnold, S. )
(Eine Auflistung aller Wohnparteien nach Berufssparten sortiert, findet man im "Allgemeinen Wohnungs-Anzeiger"). "Von den sogenannten berühmten Männern Berlins hat, soviel wir wissen, [jedoch] keiner dort seinen Wohnsitz gehabt." (Clauswitz, S.59)
In einer Beschreibung Berlins aus der Zeit Friedrichs des Großen (Riebe, 1878) wird die "Schlossfreiheit" folgendermaßen beschrieben:

    "Diese Straße finden wir schon sehr lebhaft; sie hat durchweg schöne Häuser. [...] Hier sehen wir mehrere, sehr elegante Läden, namentlich die große Teehandlung von Frommery & Sohn oder die Seidenwarenhandlungen von Thalandier und Bourguignon (Gründer der ersten Seidenmanufaktur in Berlin). In dem Audibertschen Hause betreiben die Herren Frommery & Sohn außerdem ein großes Messingwarengeschäft. Wir bemerken ferner den großen Wollwarenladen von Paul und Cornelius Hesse, sowie die Italienerwarenhandlung von Petzold und die Haude und Spenersche Buchhandlung. Hier erscheint die "Haude & Spenersche Zeitung" wöchentlich dreimal in Quartformat für den zivilen Preis von 2 Talern jährlich. Einzelne Nummern sind für 6 Pfennig zu kaufen. In dem Palmiéchen Hause befindet sich die Weinhandlung der Gebrüder Palmié, eine der besten Berlins. Vor den Werderschen Mühlen haben wir den gewohnten Anblick der riesigen weißbestaubten Männer, die damit beschäftigt sind, große Säcke mit Mehl auf bereitstehende Wagen zu laden." (Riebe, S.)
1857 wurde hinter der "Schlossfreiheit" und den Werderschen Mühlen an der Spree eine sogenannte ‚öffentliche städtische Badeanstalt eingerichtet: die "Badeanstalt hinter den Werderschen Mühlen an der Stadtschleuse".

Mit der Umgestaltung der Gegend um das Schloss am Anfang der 1860er Jahre wurde auch über eine Umgestaltung der "Schlossfreiheit" nachgedacht.

    "Im Laufe der Zeit waren nun die ursprünglich kleinen, den Platz zierenden Häuser zu hochgebauten Miethshäusern geworden. Kein Wunder, daß man anfing, ihre Kehrseiten, die offenen Höfe nach dem Wasser zu mit dem Einblicke in die hauswirthschaftlichen Angelegenheiten der Bewohner, wenig angemessen an dieser Stelle der Residenz zu finden. Noch dazu verdeckte diese unschöne Häuserwand völlig die Westseite des Schlosses." (Clauswitz, S.59)

Schlossfreiheit
Die Häuser an der Schlossfreiheit, Nordostseite, um 1880
Historische Postkarte (Zentrum für Berlin-Studien)

Die hohen Wohnhäuser sollten durch kleinere Gebäude ersetzt werden. Mitte der 1870er Jahre gingen die Überlegungen jedoch dahin, die Häuser ganz abzureißen, um einen freien Platz vor und eine freie Sicht auf das Schloss zu bekommen. Diese Überlegungen wurden verstärkt durch das Unglück, das sich beim Treffen der Kaiser zur Unterzeichnung des "Dreikaiserbunds" am 7. September 1872 ereignete und maßgeblich auf die Enge der "Schlossfreiheit" zurückzuführen war:

    "Am 7. d.M. Abends gegen 9 1/2 Uhr kurz vor dem Beginn des Zapfenstreichs drängte sich in der Schloßfreiheit das Publikum derartig, daß 8 Personen todtgedrückt und ungefähr 10 Personen verletzt wurden u.s.w." (Polizeibericht, zitiert nach (Clauswitz, S.60)
1876 beantragte der Magistrat einen Betrag von 1 Million Mark, um die Häuserreihe der "Schlossfreiheit" zu beseitigen; der jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht ohne das Vorliegen eines Nutzungskonzepts gebilligt wurde. Die Entscheidung bezüglich der "Schlossfreiheit" wurde vertagt bis die städtischen Behörden das Gebiet 1889 übernahmen und sie 1892-95 für einen repräsentativen Schmuckplatz mit Kolonnaden und das 1897 enthüllte Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I. abbrechen ließ.
 
 


http://www.zlb.de/schlossplatz/geschichte/schlossfreiheit2.htm / Update: 15.3.00
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