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Anmerkung der Autoren Dr. Alexander Bahar und Dr. Wilfried Kugel zum Beitrag von Hersch Fischler:
Wir verwahren uns gegen die von H.Fischler gegen uns erhobenen, unsubstantiierten und ehrenrührigen Vorwürfe der "manipulierten und verfälschten Darstellung", der "Entstellung", "Irreführung" und "Verschleierung" und weisen diese entschieden zurück. Unser Beitrag ist nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und dargestellt. Ein Großteil der von uns bearbeiteten Akten ist H. Fischler noch nicht einmal bekannt.
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Bislang hat die Geschichtswissenschaft geringe Bereitschaft gezeigt, sich mit dem Reichstagsbrand zu beschäftigen. Nur wenige Historiker bezogen in der Reichstagsbrandkontroverse Position. An der entscheidenden Bedeutung des Reichstagsbrandes für die Machteroberung zweifelte kaum ein Historiker. Die überwiegende Mehrzahl vertrat aber den Standpunkt, daß die Frage der Täterschaft wohl nicht mehr geklärt werden könne. Sie führe zu nutzlosen Spekulationen oder bleibe lediglich eine Sache des kriminalistischen Ehrgeizes. Die Frage cui bono ist für Kriminalisten wie Historiker von Interesse. Anders als für die Kriminalisten sei es aber für die Historiker nicht in erster Linie wichtig, wer den Reichstagsbrand gelegt habe, sondern wie überaus schnell und geschickt die Nationalsozialisten die Reichstagsbrandstiftung für die Eroberung der Macht genutzt hätten.2
Die Tatsache, daß die Originalakten zum Reichstagsbrand nach 60 Jahren Geheimhaltung durch Nationalsozialisten und Kommunisten zugänglich geworden sind, ist selber bereits eine Sensation. Dennoch ist zu befürchten, daß Bahars und Kugels Diskussionsbeitrag das Interesse der Historikerzunft am Reichstagsbrand nicht beleben wird. Wenn auch die Beschäftigung mit dem Reichstagsbrand nicht mehr notwendig spekulativ bleiben muß, stellt sich die Frage, ob die neue Quellenlage Historiker nicht doch in letztlich nur kriminalistische Details führt, ohne zu historisch relevanten Erkenntnissen beizutragen. Ist nicht wahrscheinlich, daß - wie man es von ähnlich hartnäckig geführten Kontroversen aus der Vergangenheit kennt - die Vertreter der Alleintäterthese in ihrer Antwort auf Bahars und Kugels Beitrag sich darauf berufen werden, die Originalakten brächten nichts neues und würden ihre Alleintäterthese bestätigen? Tatsächlich hat einer der literarisch aktivsten Vertreter der Alleintäterschaft Marinus van der Lubbes, der Chemnitzer Politologe Eckhard Jesse, bereits angekündigt, eine solche Antwort in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft demnächst zu veröffentlichen 3. Nach Hans Mommsen liefern die Akten des Fonds 551 keine neuen Erkenntnisse, sondern bestätigen die Alleintäterthese und machen es nicht erforderlich, den Fall neu zu erörtern 4. Bleibt der Reichstagsbrand also auch weiterhin eine Spielwiese einiger Hobbykriminalisten unter den Historikern?