
Marinus van der Lubbe nach seiner Festnahme
Quelle: Sluik/Kuppershoek: Radau.
Tatortfoto´s Marinus van der Lubbe (1933), ´S-Gravenhage 1994
Von diesem SA-Sturm 17 spricht auch der Journalist
Willi Frischauer - 1933 Berliner Korrespondent der Wiener Allgmeinen
Zeitung - im Zusammenhang mit der Reichstagsbrandstiftung, wobei
er sich auf Informanten aus der NS-Unterwelt beruft. 9
Wie nun aus den Akten hervorgeht, saß Rall
zur Zeit der Reichstagsbrandstiftung im Untersuchungsgefängnis
Berlin-Moabit. 10 Treffen die Angaben des Pariser Tageblatt
zu, dann müßte das Brandmaterial bereits vor Ralls
Inhaftierung Ende 1932 in Görings Palais deponiert worden
sein. Diese Möglichkeit wurde bisher noch nie in Betracht
gezogen, wird aber durch die Aussagen eines Nachtpförtners
im Reichstag erhärtet, dem Ende 1932 merkwürdige Geräusche
aufgefallen waren. 11 Auch die Nachtpförtner in Görings
Palais hatten bereits etliche Wochen vor dem Brand im unterirdischen
Gang Schritte gehört. 12
Unter Hinweis »auf die Bedeutsamkeit des Falles,
der s.Zt. in einer Pariser Zeitung veröffentlicht worden
ist«, wandte sich Brucks deshalb in »Geheim«-Schreiben
1934 an die Generalstaatsanwaltschaft 13, am 22. April 1938
dann unter Hinweis auf die »Enthüllungen« Ralls
an den Oberreichsanwalt. 14 Letzteres Schreiben landete bei
der Gestapo, deren abschließende Bearbeitungsvermerke von
Anfang Mai 1938 datieren. Aus der erst vor kurzem aufgefundenen
Personalakte von Brucks 15 geht hervor, daß dieser am
2. Mai 1938 in »Erholungsurlaub« geschickt wurde. Brucks
verstarb am 8. Juni 1938. Der Totenschein wurde offenbar aus den
Akten entfernt. Die Todesursache ist deshalb unbekannt.