Der Reichstagsbrand

Der Reichstagsbrand in neuem Licht

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XII. Morde und plötzliche Todesfälle:
Rall, Hanussen und andere

  Daß nach dem Reichstagsbrand, den Zeitgenossen sofort der NSDAP anlasteten, verschiedene Todesfälle Morde zur Beseitigung unbequemer Mitwisser gewesen seien, ist kein neuer Verdacht. Die dem Brand folgenden Monate und Jahre durchzieht eine Blutspur von Morden, überraschenden Selbstmorden und plötzlichen Todesfällen von Personen, deren Namen als Beteiligte oder Mitwisser in Sachen Reichstagsbrand genannt werden. Davon ist gewiß - den Zeitumständen entsprechend - vieles spekulativ, aber es bleibt hier ein weites Feld offener Fragen. Zu denen, die in diesem Zusammenhang genannt werden, gehören Dr. Ernst Oberfohren, Fraktionsvorsitzender der DNVP im Reichstag, Oberbranddirektor Walter Gempp, ehemaliger Chef der Berliner Feuerwehr, sowie der ehemalige Hauptschriftleiter der Leipziger Neuesten Nachrichten, Richard Breiting. 74
  [S. 637] Hier sollen zwei nachweisliche Mordfälle näher beleuchtet werden, bei denen ein Zusammenhang mit Kenntnissen über die Hintergründe des Reichstagsbrandes anhand zahlreicher Indizien besonders naheliegt. Im einen Fall geht es um den oben (am Ende des Abschnitts III) bereits erwähnten SA-Mann Adolf Rall, im anderen um den jüdischen "Hellseher" Erik Jan Hanussen. 75
  Zum ersten Fall: Von der Ermordung des Adolf Rall durch die SA berichtete erstmals der ehemalige Gestapo-Mitarbeiter und spätere NS-Gegner Hans Bernd Gisevius als vereidigter Zeuge im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß und in seinem 1946 erschienen Buch "Bis zum bittern Ende". 76
  Wie aus den Akten hervorgeht, 77 befand sich Adolf Rall, Chauffeur und SA-Mitglied, seit dem 21. Dezember 1932 wegen des Verdachts des Autodiebstahls in Haft. 78 Am 20. Oktober 1933 meldete sich Rall [S. 638] im Polizeigefängnis Dircksenstraße, um "Angaben über den Reichstagsbrand" zu machen. Da er dazu aber "nur vor Gericht" bereit war, wurde er am 21. Oktober in die Strafanstalt Berlin-Tegel überführt. Dort gelang es dem Strafanstaltsdirektor, Oberregierungsrat Felix Brucks, Rall durch einen Mitgefangenen zum Sprechen zu bringen. In einem späteren Schreiben erwähnte Brucks "Enthüllungen des Strafgefangenen Rall, wonach die NSDAP verdächtigt wurde, der Brandstiftung im Reichstag nahe zu stehen." 79 Laut Mitteilung des Strafgefängnisses Berlin-Tegel vom 11. November 1933 befand sich Rall dann seit dem 27. Oktober 1933 "bei der Geheimen Staatspolizei im Polizei-Präsidium Berlin". Am 2. November 1933 sollte Rall zurück ins Strafgefängnis Tegel verlegt werden. Statt dessen wurde er "als Leiche in einem Walde bei Strausberg aufgefunden". 80
  In einer Auskunft des Geheimen Staatspolizeiamts an das Reichsministerium für Justiz vom 2. August 1935 wird dieser fast einwöchige Gestapo-Gewahrsam Ralls vertuscht. Nach diesem Schreiben wäre Rall bereits einen Tag früher ums Leben gekommen und nie im Gestapa angelangt: Erst am 1. November 1933, heißt es dort, sei Rall "aus dem Untersuchungsgefängnis Moabit im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft an das Geheime Staatspolizeiamt zur Einvernahme überstellt" worden. "Diese Gelegenheit benützte Rall zu einem Fluchtversuch. Hierbei wurde er erschossen." - Eine andere Variante der Datumsverwirrung findet sich bei Fritz Tobias: Er zitiert die von seinem Gewährsmann Diels (ohne Datum) erwähnte Selbstanzeige Ralls und behauptet dann, ohne Quellenangabe, "Hans" [sic!] Rall habe sich erst "am 27. 10. 1933" gemeldet, also vier Tage nachdem der Chemiker Schatz am 23. Oktober "mit seiner selbstentzündlichen Flüssigkeit im Gerichtssaal" hervorgetreten war und die Zeitungen "voll von diesem sensationellen Brandmittel" gewesen seien. 81
  Wie brisant der Mordfall Rall für die NS-Machthaber war, ergibt sich auch daraus, daß Göring persönlich schon am 4. November 1933 die Niederschlagung des Ermittlungsverfahrens bei der Staatsanwaltschaft [S. 639] Berlin anordnete. 82 Bereits kurz nach Ralls Tod fand außerdem in der Wohnung seiner Mutter eine Haussuchung statt. 83
  Fünf Jahre später, am 22. April 1938, forschte Brucks in einem mit dem Vermerk "Geheim" deklarierten Schreiben erneut nach den aus seiner Strafanstalt stammenden Personalakten des Adolf Rall. Zwei Vermerke dazu stellen fest, daß Personalakten Rall sich "nicht haben ermitteln lassen". Oberregierungsrat Felix Brucks, der nicht politisch engagiert war, verstarb plötzlich am 8. Juni 1938 "als aktiver Beamter". 84
  In den heute verfügbaren Reichstagsbrand-Akten sind weder die Personalakten Ralls noch seine Aussagen im Gestapo-Gewahrsam vor der Ermordung enthalten. In einem Aktenvermerk vom 11. August 1934 85 heißt es dazu: "Der Inhalt des Aktenheftes bezüglich des Reichstagsbrandes ist für diese Sache ohne Bedeutung." Rall habe "ausgesagt, dass seine Angaben in dieser Angelegenheit erlogen seien und ihm nur daran gelegen war, die langersehnte Freiheit wieder zu erlangen. R. ist inzwischen verstorben". 86
  Die "Enthüllungen" Ralls fanden dennoch ihren Weg nach draußen. Am 12. Dezember 1933 erschien im "Pariser Tageblatt" 87 unter Berufung auf eine "über jeden Zweifel erhabene Berliner Quelle" – wahrscheinlich eben jenen Gefängnisdirektor Felix Brucks – ein Artikel mit der Überschrift "Ein unbequemer Mitwisser beseitigt". Danach habe sich Rall "Anfang November" (richtig: am 20. Oktober) beim Gefängnisdirektor gemeldet und ausgesagt, "er sei Mitglied des SA-Sturmes 17 gewesen. 88 Er habe sich vor dem Ausbruch des Reichstagsbrandes [S. 640] in dem unterirdischen Gang befunden" und "selbst mit angesehen, wie von verschiedenen Mitgliedern seines Sturms dort die Explosivflüssigkeiten hereingeschafft wurden. [...] Vor etwa 14 Tagen hat man die Leiche des Rall in der Gegend bei Straussberg gefunden."
  Die Feststellung, daß Rall bereits seit dem 21. Dezember 1932 im Gefängnis saß, steht nur scheinbar im Widerspruch zu seiner hier zitierten Aussage. Denn Rall behauptet darin ja nicht, selbst an der Brandstiftung beteiligt gewesen zu sein. Offenbar wird jedoch, daß Rall sich in den Brandlegungs-Aktivitäten der Berliner SA auskannte und einen Zusammenhang zwischen drei brisanten Punkten herstellte: SA – Brandflüssigkeiten – Reichstagsbrand; alles weitere mögen nachträgliche Ausschmückungen sein, sind es aber nicht zwingend. Denn es ist keineswegs ausgeschlossen, daß Rall, wie behauptet, "vor dem Ausbruch" des Brandes beim Hereinschaffen der Explosivstoffe durch den unterirdischen Gang zugegen war. Die von Rall bezeugten Vorgänge können sich durchaus bereits einige Zeit vor dem Reichstagsbrand abgespielt haben. Für eine solche Möglichkeit spricht, daß nach den schweren Verlusten, welche die NSDAP bei den Reichstagswahlen am 6. November 1932 und bei weiteren Kommunalwahlen in Sachsen und Thüringen erlitt, überall im Reich in der SA Unruhen bis hin zu offenen Revolten gegen Hitlers Legalitätstaktik ausbrachen, wobei es sogar zu Bombenattentaten kam. 89
  Der frühere SA-Führer Hans-Georg ("Heini") Gewehr, den Gisevius schon 1947 in seinen Memoiren und 1960 in einer "Zeit"-Serie als einen der Brandstifter genannt hatte 90, gab 1961 vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf zu, in SA-Kreisen seinerzeit auf Veranlassung des Berliner SA-Führers Karl Ernst ein selbstentzündliches Brandmittel [S. 641] (Phosphor in Schwefelkohlenstoff) vorgeführt zu haben, das dann später auch in der SA zum Einsatz gekommen sei. 91 (Dieses Mittel ist mit der Substanz identisch, deren Verbrennungsprodukte der Chemiker Dr. Schatz an den Brandstellen des Plenarsaales nachweisen konnte.) 92 Diels schreibt in seinen Memoiren von einer "Selbstanzeige" des im Gefängnis einsitzenden Rall, in der dieser "einige Kumpane bezichtigt" habe, "den Reichstagsbrand vorbereitet zu haben. Er erzählte von einem Lehrgang, in dem er und seine Spiessgesellen in der Handhabung von phosphorhaltigen Brandmitteln geschult worden seien. Sie hatten die Wirkung der selbstentzündlichen Stoffe häufig ausprobiert, indem sie dieselben in Hausflure und offenstehende Fenster von öffentlichen Gebäuden geworfen hatten." 93
  Sicher ist also, daß es in der Berliner SA bereits Ende 1932 Experimente mit Phosphor-Brandmitteln und konkrete Versuche gab, öffentliche Gebäude in Brand zu setzen, und so ist weder unmöglich, daß das Reichstagsgebäude in diese Überlegungen und Vorbereitungen einbezogen war, noch ausgeschlossen, daß auch Rall, der von Mitte Oktober bis zum 20. Dezember 1932 auf freiem Fuß war, an solchen Aktivitäten vor dem Brand beteiligt wurde. 94 Für Diels’ Gestapo war Ralls Wissen jedenfalls brisant genug, um ihn aus dem Gefängnis zu holen und nach [S. 642] fünftägigen Verhören der SA zur Liquidation zu übergeben. Dem Gericht wurde so ein möglicher Belastungszeuge entzogen.
  Glimpflicher kam Gewehr davon: Anläßlich des sogenannten "Röhm-Putsches" wurde er 1934 wegen der Ausführung "besonderer Aufträge" 95 für Karl Ernst verhaftet. Obwohl "keinesfalls zur Entlassung geeignet", kam er jedoch bald wieder frei. Gewehr, nach eigenen Angaben in SA-Kreisen als "technischer Leiter" der Reichstagsbrandstiftung gehandelt, wurde während seiner Haft im persönlichen Auftrag Heinrich Himmlers von einem SS-Obersturmbannführer zum Reichstagsbrand vernommen. 96 Ein Polizeikommissar erinnerte sich 1960, daß Gewehr während eines Polizeioffizierlehrgangs angedeutet hatte, mehr über den Reichstagsbrand zu wissen, als in den Zeitungen stehe. 97
  Ein tödliches Ende nahm dagegen auch der ehemalige SA-Mann Karl Reineking, durch den – Gisevius zufolge - Karl Ernst von den drohenden Enthüllungen Ralls erfuhr. 98 Kurz nach der Ermordung Ralls setzte sich Ernst bereits am 4. November 1933 persönlich für die Wiederaufnahme Reinekings in die SA ein, weil er "der SA einen unerhörten Dienst erwiesen" habe. Am 7. Dezember verfügte der Oberste SA-Führer die Wiederaufnahme. Nach Aussage seines Bruders wurde Reineking später von den Nazis verfolgt, weil er "‚gewisse Unterlagen‘ über den Reichstagsbrandprozeß für sich behalten" habe, die eigentlich vernichtet werden sollten. Am 27. Januar 1936 zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt und ins KZ Dachau eingeliefert, kam Reineking dort - kurz vor Ablauf seiner Haft - am 2. Juni 1936 ums Leben; "angeblich soll er sich aufgehängt haben", sagte sein Bruder dazu aus.



74 Siehe dazu: Hofer u. a., Reichstagsbrand (wie Anm. 5), Bd. 2, 273-331, Neuausg. 330-381; zu Breiting: 388 f., Neuausg. 419 f. [Zurück zum Text]
75 Die folgenden Ausführungen zu Rall und Hanussen basieren auf mehreren Publikationen von Alexander Bahar und Wilfried Kugel, führen aber in Details dank neuerer Forschungen darüber hinaus. Alexander Bahar, Adolf Rall mußte sterben, weil er die Täter kannte, in: Die Weltwoche, 8.3.1995; Alexander Bahar/Wilfried Kugel, Der Reichstagsbrand - ein Zeichen Gottes? Neue Hinweise auf eine selbst-inszenierte Aktion der Nazis, in: Neue Zürcher Zeitung, 19./20.8.1995; dies., Der Reichstagsbrand: Neue Aktenfunde entlarven die NS-Täter, in: ZfG 43, 1995, 823-832; dies., Waren es doch die Nazis? Ein Historikerstreit ist wieder offen, in: die tageszeitung, 21./22.2.1998; dies., Augstein und die Gestapo-Connection, in: ebd. 28.2./1.3.1998; Wilfried Kugel, Hanussen. Die wahre Geschichte des Hermann Steinschneider. Düsseldorf 1998 [Zurück zum Text]
76 Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Nürnberg 14. November 1945 - 1. Oktober 1946. Band 3. Amtlicher Text in deutscher Sprache. Nürnberg 1947 (Reprint München/Zürich 1986), 276-278. Hans Bernd Gisevius, Bis zum bittern Ende. Bd. 1: Vom Reichstagsbrand zur Fritsch-Krise. Hamburg 1947, 75-97 (Erstausgabe: Zürich 1946, 84-108); Von Rudolf Diels, Lucifer ante portas. Zwischen Severing und Heydrich. Zürich o. J. [1949], 221 f., deutsche Ausgabe Stuttgart 1950, 304 ff., und Tobias, Reichstagsbrand (wie Anm. 2), 530 ff., wurde Gisevius' Darstellung heftig attackiert, doch entspricht sie, wie eine Überprüfung anhand jetzt zugänglicher Dokumente ergibt, bei Irrtümern in manchen Details in wesentlichen Punkten den Tatsachen. [Zurück zum Text]
77 Das sind die Ermittlungsakten zum Reichstagsbrandprozeß (BA [wie Anm. 13], ST 65), und zum Mordfall Rall (Ermittlungen über die Ermordung des Arbeiters Adolf Rall..., Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz [GStA], Justizministerium, Rep. 84a), sowie die Akten zur Strafsache Adolf Rall (Akten der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin III, Brandenburgisches Landeshauptarchiv [BLHA], Rep. 12B). [Zurück zum Text]
78 BLHA (wie Anm. 77), Rep. 12B, Bd. 1, Bl. 111, 153. Rall wurde am 11.4.1933 zu einem Jahr Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. [Zurück zum Text]
79 BA (wie Anm. 13), ST 65/112, Bl. 125-127 R, ST 65/34, Bl. 256 (Schreiben vom 22.4.1938). [Zurück zum Text]
80 BLHA (wie Anm. 77), Rep. 12 B, Bd. 1, Bl. 282, u. Bd. 2, Bl. 11. [Zurück zum Text]
81 GStA (wie Anm. 77), Rep. 84a, Bl. 45. - Tobias, Reichstagsbrand (wie Anm. 2), 540 f. [Zurück zum Text]
82 Schreiben in: GStA (wie Anm. 77), Rep. 84a, Bl. 127. Görings Anweisung ist von Rudolf Diels gegengezeichnet, der 1949 in seinen Memoiren behauptete, Roland Freisler habe als Staatssekretär des Justizministers Kerrl die Ermittlungen einstellen lassen (Diels, Luzifer [wie Anm. 76,] 213 f., dt. Ausg. 294). [Zurück zum Text]
83 Schreiben der Marie Rall an die Auskunftstelle des Kriminalgerichts Berlin-Moabit vom 27.8.1934 (GStA [wie Anm. 77], Rep. 84a, Bl. 35.) [Zurück zum Text]
84 BA (wie Anm. 13), ST 65/34, Bl. 256. - Brucks Tod: Blätter für Gefängniskunde 69, Juni/Juli 1938. [Zurück zum Text]
85 BA (wie Anm. 13), ST 65/112, Bl. 128. [Zurück zum Text]
86 Da Rall bereits am 21.12.1933 aus der Haft hätte entlassen werden müssen (siehe oben Anm. 78), ist diese "Erklärung" wenig überzeugend. Sie verstärkt im Gegenteil den Verdacht, daß Rall mehr wußte, als den NS-Machthabern lieb war. [Zurück zum Text]
87 Herausgeber war Georg Bernhard, ehemaliger Chefredakteur der "Vossischen Zeitung". [Zurück zum Text]
88 Der SA-Sturm 17 wurde auch von Willi Frischauer, seinerzeit Berliner Korrespondent der "Wiener Allgemeinen Zeitung", in seinem Buch: Ein Marschallstab zerbrach, Ulm 1951, 99, im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand genannt. [Zurück zum Text]
89 Dazu siehe u. a.: Udo Kissenkoetter, Gregor Strasser und die NSDAP, Stuttgart 1978, 154 ff. Als Dimitroff Goebbels im Prozeß vorhielt, SA-Mitglieder hätten im Herbst 1932 eine Reihe von Bombenattentaten verübt, erklärte dieser, Außenseiter hätten Provokateure in die SA eingeschleust (Kugler, Geheimnis [wie Anm. 36], 153-158). Ende 1932 wurde im Reichstags-Heizungstunnel am Kesselhaus eine feuersichere Türe eingebaut - offenbar als Reaktion auf die Meldung über einen geplanten Sprengstoffanschlag, den auch der Diels-Intimus Schnitzler in seiner 1949 in der Schweiz anonym erschienenen Artikelfolge ( Der Reichstagsbrand in neuer Sicht, in: Neue Politik, 10. Jg. / Nr. 2-6, 20.1.-18.3.1949) erwähnte. [Zurück zum Text]
90 Gisevius, Bis zum bittern Ende (wie Anm. 76), 89-93, Erstausg. 99-103; ders., Reichstagsbrand im Zerrspiegel, in: Die Zeit, 4., 11., 18. u. 25.3.1960. [Zurück zum Text]
91 Vernehmung Hans-Georg Gewehr vor dem OLG Düsseldorf v. 7.6.1963 (Widerrufsverfahren Gewehr gegen Gisevius; Nachlaß Hans Bernd Gisevius, Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich). Gisevius wurde zur Unterlassung seiner Gewehr betreffenden Aussagen verurteilt, aber die Berufungsinstanz urteilte: "Da es Gewehr nicht gelungen sei, das Gericht eindeutig von seiner Unschuld zu überzeugen, könne man vom Beklagten nicht den vollen Widerruf seiner Behauptungen verlangen; niemand könne gezwungen werden, etwas zu widerrufen, was möglicherweise wahr ist." (Kopien der OLG- und BGH-Urteilstexte im NL Gisevius). Gisevius erklärte vor Gericht, bereits 1943 habe ihm Diels bestätigt, daß die SA unter Karl Ernst den Reichstag angezündet habe, und Gewehr als einen der Haupttäter bezeichnet. - Ähnliche Äußerungen von Diels zwischen 1946 und 1957 bekundeten u. a. Robert Kempner, Dr. Alfred Arndt, der Journalist Friedrich Strindberg sowie der Schriftsteller Curt Riess (Depositum Walther Hofer, Schweizerisches Bundesarchiv Bern). [Zurück zum Text]
92 Siehe oben S. 620. Dies bestätigte auch der Chemiker Prof. Dr. Walter Specht, 1933 Mitarbeiter von Schatz, in einem Schreiben vom 13.4.1976 an den Historiker Karl Dietrich Erdmann (Depositum Walther Hofer [wie Anm. 91]). [Zurück zum Text]
93 Diels, Lucifer (wie Anm. 76), 222, dt. Ausg. 305 f. [Zurück zum Text]
94 Vgl. die Vernehmungen des Personals über verdächtige Geräusche im unterirdischen Gang und den in Anm. 89 erwähnten Einbau der besonderen Tür am Ausgang des Ganges zum Kesselhaus Ende 1932 (BA [wie Anm. 13], ST 65/46). [Zurück zum Text]
95 "Verzeichnis der im Zuge der Säuberungsaktion festgenommenen Personen", GStA (wie Anm. 77), Gestapa 90 P 114. [Zurück zum Text]
96 Rudolf Augstein in: Der Spiegel, Nr. 18/1960. - Vernehmung Gewehr vor dem OLG Düsseldorf v. 7.6.1963 (NL Gisevius [wie Anm. 91]), Bl. 8. [Zurück zum Text]
97 Vernehmung Hans Georg Krüger, ebd., 7.6.1963, Bl. 3. [Zurück zum Text]
98 Gisevius, Bis zum bittern Ende (wie Anm. 76), 78-85, Erstausg. 87-94. - Reineking wurde wegen der Erschießung eines SA-Mannes aus der SA ausgeschlossen. Er wurde am 15.5.1933 Justizangestellter am Amtsgericht Berlin-Mitte und war bei Vernehmungen zum Reichstagsbrand in der Strafanstalt Tegel als Protokollant tätig. Hierzu und zum folgenden siehe die Personalakte Reineking im Bundesarchiv (ehem. Berlin Document Center), Bl. 9, 106; ferner: Archiv Landgericht Berlin, P (K) Js 6/68, Strafsache gegen Schmidt gen. Schweinebacke wegen Mordes, Hauptakten, Bd. 1, Kopien aus der BDC-Personalakte nach Bl. 7; ferner Bl. 55-57, 62-65, 68, 77-79; ST 65/20, Bl. 85 f. [Zurück zum Text]


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