1848-Geschichten aus der Berliner Märzrevolution



IV. Humor ist, wenn man trotzdem lacht - Mit Nante und Brenneke durch die Märzrevolution

5. Der Krach im Parlament und die Ruhe der Minister


Nr.3: Nante als Nationalversammelter. Dritte Sitzung Der Deputierte Nante berät mit seinem Freund Brenneke über den Fortgang seiner politischen Karriere - angesichts der lebhaften Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb der Nationalversammlung keine leichte Aufgabe.

Brenneke:
Na Bruder Nante wat sammelsirsten? Haste Dir noch nich entschieden wat Du vor´n Ministerium annehmen willst?

Nante:
Ick weeß nich, soll ick mir vor den Krieg oder vor de Kirche entscheiden. Des Auswärtige mag ick nich haben; dabei kriegt man Schmisse.

Brenneke:
Ja so´ne Kastanienwalds-Interpellation is öklich. Aber hast Du denn ooch die Fähigkeiten zu een Ministerium? Ick globe, Du würdest ooch bald Deinen Abtritt nehmen müssen.

Nante (murmelt):
Des geehrte Mitglied issen Schafskopp! Als ob dazu Fähigkeiten gehörten. Ick setze mir uf die rechte Seite, un stimme immer gegen´t Volk; un wenn in Berlin der Deibel los is, dann fahre ick nach Sanszuzie un drinke Schappanger, det isset ganze Kunststück.

Brenneke:
Schwerebrett! un davor 12000 Dhaler! würklich ausgezeuchnet!! Hätte mir mein Vater doch ooch Minister lernen lassen. Du hast aber noch gar nich gered´t in die Singeakademie, Nante. Wie kommt denn des?

Nante:
Ick halte eene gute Rede vor zu schade in die Versammlung. Sie wird ooch gar nich angehört; denn so wie die Linke wat Vernünftiges zum Vorschein bringt, trampelt die Rechte mit die Beene, und fängt an zu grunzen.

Brenneke:
Des Grunzen sind den Gutsbesitzern un Bauern heimische Töne, un wenn sie dazu noch mit die vernagelte Stiebeln an zu trampeln fangen, denn muß det een Concert geben, wie die Singeakademie noch keenes gehört hat.

Nante:
Ja wenn blos ihre Stiebeln vernagelt wären, denn ging´ et woll noch an; aber so - -

Angesichts des permanenten Ärgers mit den konservativen Kräften fragt sich der gute Demokrat Brenneke, ob es nicht besser wäre, eine richtige Republik einzuführen. Uneigennützig erklärt er sich dazu bereit, der königlichen Familie die Last abzunehmen, die dem Volk abgepreßten Steuergelder zu verjubeln.

Nante:
Ja denn stimm´ ick ooch vor Republik. Ick dachte blos et würde sich Keener finden, der sich dazu hergäbe, det ganze Jahr nischt zu dhun, als Millionen zu verkonsumieren. Ick wer´ die Angelegenheit in die nächste Sitzung zur Sprache bringen. - Unsere heutige is geschlossen. Adje! Ick will schlafen.


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