1848-Geschichten aus der Berliner Märzrevolution



IV. Humor ist, wenn man trotzdem lacht - Mit Nante und Brenneke durch die Märzrevolution

3. Der "Nationalversammelte" Nante grüßt den Bürger Brenneke


Nr.1: Nante als Nationalversammelter. Erste Sitzung Frühjahr 1848: Die Revolution nimmt ihren Lauf und Eckensteher Nante macht Karriere. Bei den Wahlen zur konstituierenden Preußischen Nationalversammlung im Mai 1848 wird er zum Abgeordneten gewählt. Vor der Singakademie, dem Tagungsort des Parlaments, begrüßt er stolz seinen alten Freund Brenneke.

Nante:
Bürger Brenneke sei mir willkommen in der Freiheit! Fief la Constitution uff die allerbreitste Grundlage! Ick habe Dir seit den Vinkeschen Rechtsboden-Schwabbel-Landtag nich gesehn. Wat dreibst Du´n jetzt?

Brenneke:
Ick? - Nischt. Wir haben ja Freiheit; wer wird denn da arbeiten? Vor de Langeweile dreib´ ick een Bisken Buchhandel. Setz mir in Nahrung. Hier: Kladderadatsch sechs Dreier, die Berliner Krakeler eenen Groschen, den Prinzen von Preußen zu bedeutend herabgesetzten Preisen sechs Pfennige, da kriegst Du noch die vorjährige Thronrede zu; die liest sich jetzt recht heiter.

Nante:
Ick drücke mein Bedauern aus, Proletarier. Bei den Verdienst kannste doch nich leben, un Miethe zahlen, un Schulden haste ooch.

Nante verspricht voller Großmut, im Parlament einen Antrag auf staatliche Begleichung von Brennekes Schulden zu stellen. Als Vertreter der Nationalversammlung fragt er zudem interessiert seinen alten Freund, ob dieser in der neuen Zeit nicht auch Mitglied eines politischen Clubs geworden sei.

Brenneke:
Diese Frage muß ick im verneinendem Sinne beantworten. Des Abends geh ick nach die Zelten und lasse mir politisch bilden, ick helfe Comité-Mitglieder ernennen vor die Adressen, hebe bei Abstimmungen eene Hand hoch un helfe demonstrieren. Daruf beschränkt sich meine politische Wirksamkeit. Genährt werd´ ick uf Staatskosten; denn meine Frau is in de glorreiche März-Nacht vor Schreck über´n ersten Kardätschenschuß aus Mißverständnis gestorben, mithin bin ick een Hinterbliebener, un habe Ansprüche uff Nationalbelohnung.

Nante:
Ick halte diesen Jögenstand für erledigt, un trage daruf an, zur wirklichen Diskussion überzugehen. Zuerst werd´ ick mir Deine Ansicht ausbitten, ob Du zwee Kammern willst oder blos eene.

Brenneke:
I Menschenskind zwee, da brauchste gar nich zu fragen. Eene vor den Hausgebrauch un eene Rumpelkammer, wo die alten Scharteken drin ufbewahrt wer´n. Man kann später Alles wieder brauchen.

Nante:
Du verstehst mir miß; ick meene Landtagskammern.

Trotz des sachdienlichen Hinweises des Deputierten Nante ist klar, daß der Bürger Brenneke dem parlamentarischen Zweikammernsystem, in dem die erste Kammer dem alten Adel vorbehalten ist, offensichtlich nicht sehr viel abgewinnen kann. Ohne diese grundsätzliche Frage umfassend klären zu können, verabschiedet sich Nante in die Nationalversammlung.


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