1848-Geschichten aus der Berliner Märzrevolution



IV. Humor ist, wenn man trotzdem lacht - Mit Nante und Brenneke durch die Märzrevolution

11. Nante - ein Heros des 19. Jahrhunderts


Nr.9: Nante als Nationalversammelter. Neunte Sitzung Herbst 1848: Der Deputierte Nante und der Konstabler Brenneke sind nach dem Ausflug in die hohe Politik wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt und schlendern gemeinsam durch die Stadt. Ein italienischer Gipsfigurenverkäufer preist lautstark seine Ware an. Konstabler Brenneke will ihn zuerst wegen Störung der öffentlichen Ordnung verhaften. Nante hält ihn jedoch zurück, als er sieht, daß der Verkäufer auch eine Büste mit seinem Abbild anbietet.

Nante (im Gefühl seiner Würde):
Du siehst hier die Jalgerie der beriehmsten Männer Europa´s. Cavaignac, Nante und Held!

Brenneke (staunt die Gipsköppe an):
Hurrrrjottedoch! Meiner Seele! Held, als wenn er lebte; die kleene Ogen, der Ufwieglerbart, die Haare wie´n Mucker gekämmt. - Talchöner wat kosten die Puppe?

Italiener:
Stuck vor Stuck zehn Silbergroß!

Brenneke (verwundert):
Held ooch man zehn Silberlinge? Schwerebrett! det hab´ ick nich gedacht, deß der so billig zu koofen is. - Wat issen inwendig in den Kopp drin?

Italiener:
Nix von Bedeutung. Sein die Kopp hohl. Blos Bissel Wind drin.

Brenneke (sehr weise):
Aha! "Seine Idee!" - Ick bitte dir Nante, sage mich, wie ick et anfangen soll, det ick oock so beriehmt were, wie Du un Held un Kaffesack. Ick möchte mir doch ooch gar zu gerne als Gipskopp uffen Ofen stehn sehn; det muß doch een hoher Genuß sind.

Nante:
Darüber wer´ ick Dir gleich Mittheilung machen. Du mußt entweder een großer Staatsmann, oder een großer Spitzbube wer´n. Du kannst ooch Beedes zusammen vereinigen, wie des häufig bei Andern geschieht.

Von dem Gespräch über große Staatsmänner kommen die beiden Spaziergänger dann zur Tagespolitik. Nante berichtet über die Weigerung des Staatsministeriums, eine allgemeine Amnestie für politische Vergehen zu gewähren, worauf Brenneke voller Wut beschließt, sein Konstablerdasein zu beenden.

Brenneke:
Soll mir der Deibel holen, wenn ick länger een Affe bleibe, der de Kastanien ausses Feuer holt, vor so´n Ministerium! Hungern will ick lieber, det mir de Schwaden knacken, als von sonen Sündenlohn leben. Keene Amnestie nich! - Furt mit den verfluchtigen Mantel un den knebelknöppigen Rock, den se mir blos gegeben, um det Volk widder knebeln zu helfen. (Er wirft Alles von sich) Hier haste meine Hand, Bruder Nante. - Jetzt bin ick widder Volk. - Die Kreide wer´ ick behalten; aber wenn ick Eenen dadermit uffen Puckel schreibe, denn wird et blos heeßen: "Keene Amnestie nich! Merkt euch des!"

Nante (reicht ihm die Hand):
Jetzt bist Du mein Mann, Bruder Brenneke! Wenn Du´n Säbel brauchst, wirst du schon eenen finden, wenn er ooch keen gelbet Portepee hat.

Brenneke:
Det schadet nischt. Aber "haarscharf geschliffen" wird er, un wenn dann Musjeh Wrangel kommt, dann schreien wir: "Latour! -"

Nante:
Ne, "Retour!" heeßt et ja.

Voller Kampfgeist ziehen sie die beiden Freunde vondannen. Die Besetzung Berlins durch die Truppen von General Wrangel werden aber auch sie nicht aufhalten können.


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